Anekdote zum Essen

Januar 2012

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Die Mutter eines Schülers wollte zunächst per Rückruf auf ihr Handy, nach etwas Überlegung dann doch im persönlichen Gespräch an der Schule vortragen, dass die Essensqualität der Schule nicht angemessen sei.

Sie könne  sich vom i-NET-Menü her und von Berichten ihres Sohnes ein Bild davon machen, wie schwach die Qualität ist. Es handle sich offensichtlich um Tiefgefrorenes und die Abwechslung sei gering. Gesündere Ernährung sei für drei Euro durchaus möglich, wobei sie auch gerne einen Euro drauflege, wenn die Qualität dann besser wird. Das Zusatzangebot von Pommes, auf das die Kinder gerne ausweichen, sollte sowieso unterbunden werden. Und nach dem Hinweis auf unsere Umfrage zur Essensqualität, meint die Mutter, man hätte vielleicht, statt der Schüler, die Eltern befragen sollen.

Der Schulleiter versucht im Gespräch deutlich zu machen, dass er die Mittagspause der Schüler grundsätzlich als Freizeit verstehe und „Freizeit“ nur als solche begriffen wird, wenn sie auch das „Gefühl von Freiheit“ vermittelt. Deshalb sei ihm von Anfang an wichtig gewesen, dass Schüler beim Essen die "Freiheit der Essensauswahl" haben und älteren Schülern sogar die Freiheit gewährt wird, das Haus zu verlassen (vgl. Schreiben vom 28.2.18). Umso wichtiger ist es, dass das Essen von den Schülern akzeptiert wird, weil Schüler sonst im Dorf nach Alternativen zum Essen suchen. Er, so der Schulleiter, kenne persönlich eine Mensa für Gymnasien, die zwar gesund kocht aber nur schwach angenommen wird, weil die Schüler lieber in den nächsten Mc Donald gehen. Unterstellt man, dass Gymnasiasten nicht die dümmeren Schüler sind, so muss man doch annehmen, dass unsere Schüler sich kaum anders verhalten würden, wenn wir zwar noch gesünder anböten, aber den Geschmack nicht träfen.

Der Mutter gab der Schulleiter zu verstehen, dass Vorschriften und Gängeleien bei den Problemen bestimmt nicht abhelfen werden. Wir müssen beim Essen, genauso wie bei anderen Missbrauchsmöglichkeiten auch, die Schüler stark machen zum richtigen Umgang mit den Dingen. Die derzeit weit verbreitete Haltung, dass man den Einzelnen in seiner Freiheit einschränken muss, wenn es seiner persönlichen Gesundheit dient, will der Schulleiter absolut nicht teilen. Denn: Die Freiheit einzuschränken, um irgend etwas Richtiges zu unterstützen, ist in der Geschichte schon mehrfach schief gelaufen.

Das i-NET-Menü ermöglicht Eltern von zu Hause aus den Blick auf die Essensbestellung. Eltern können also eingreifen und selbstverständlich werden wir mithelfen, wenn Eltern uns bitten, darauf zu achten, dass ihr eigenes Kind keine Pommes ausgehändigt bekommt.

Schließlich lud der Schulleiter die Mutter zum gemeinsamen Mittagessen in die Mensa ein. Es gab „Schinkennudel" bzw. „Gemüse mit Hackfleisch“, beides - gut zu beobachten - vor Ort zubereitet. Der Schulleiter überließ der Mutter das erste Probieren seiner Schinkennudeln, sie selber hatte zuvor Gemüse gewählt. Salatteller gab es für beide und auch zu trinken. Während des Essens rechnete man gemeinsam nochmals durch, was bei ca. 80 Essen zu  je drei Euro dem Küchenteam übrig bleiben kann, wenn die vier Beschäftigten in der Küche und der Mann am Resteeimer bezahlt wären. Genau zwei Schüler hatten Pommes vor sich. Vom Schulleiter befragt wurde deutlich, dass sie nicht bestellen konnten, weil kein Geld am Konto war.

Beide Essen schmecken hervorragend, meinte die Mutter schließlich und die beiden Speisen würden bei ihr zu Hause nicht anders aussehen. Und als der Schulleiter erklärt hatte, dass das heutige Essen eher bei den geringwertigeren anzusiedeln wäre, es an anderen Tagen noch bessere Angebote gäbe, erklärte die Mutter, dass sie doch wohl mit ihrem Sohn ein Gespräch führen müsse. Sie bedankte sich beim Schulleiter fürs Essen, noch mehr aber für seine, an Schülerwünschen orientierten Einstellungen.

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